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"Holocams" für 3D-Videokonferenzen

Videokonferenzen sollen künftig dreidimensional stattfinden. Im Projekt «Being There Center» wird die ETH Zürich zusammen mit einer US-amerikanischen und einer asiatischen Partneruniversität an neuartigen 3D-Systemen forschen.
 
Der Film «Star Wars» lieferte schon in den 70er-Jahren einen Vorgeschmack auf mögliche Kommunikationstechnologien des 21. Jahrhunderts. Mit «Holocams» und «Holoprojectors» konnten die Helden der Weltraumsaga ihre tausende von Kilometer entfernten Gesprächspartner in Form von dreidimensionalen, interaktiven Hologrammen ins eigene Raumschiff holen. Ähnliches schwebt den drei Initiatoren des Projekts «BeingThere Center» vor.
 
Die ETH Zürich zusammen mit der Nanyang Technological University in Singapur und der University of North Carolina at Chapel Hill haben am Mittwoch an einer Pressekonferenz in Singapur ihre Zusammenarbeit im Rahmen eines neuen Forschungszentrums für «Telepresence» und «Tele-collaboration» bekanntgegeben. Im internationalen Forschungszentrum sollen unter anderem Systeme entwickelt werden, die Videokonferenzen mit dreidimensionaler Repräsentation eines tausende von Kilometer entfernten Gegenübers ermöglichen sollen.
 
Erfahrung in 3D-Technologien mit einbringen
Das Institut für Visual Computing an der ETH Zürich wird sich unter Beteiligung von Professor Markus Gross, Professor Marc Pollefeys und Professorin Olga Sorkine vor allem auf die Entwicklung eines sogenannten Roving Displays konzentrieren. Mit diesem Display soll über eine halbtransparente Projektionsfläche die Illusion einer im Raum anwesenden Person erzeugt werden. Dafür wird diese an ihrem realen Standort über 3D-Kameras aufgenommen und anschliessend beim Gesprächspartner über dreidimensionale Videobeamer wieder aufgebaut.
 
All das muss in Echtzeit geschehen, damit die Illusion eines gemeinsamen Meetings in demselben Raum entsteht. Die «Telepresence Platform» soll am Ende so mobil sein, dass sie in unterschiedlichen Umgebungen genutzt werden kann. Zugleich liegt eine Knacknuss bei der Benutzerfreundlichkeit des Systems: «Eine der grössten Herausforderungen wird für uns sein, die zu entwickelnde Projektionsfläche nahtlos in eine alltagstaugliche Umgebung zu integrieren», sagt Markus Gross, der ETH-seitig das Projekt leitet. Postdocs pendeln zwischen Singapur und Zürich
 
Das Institut für Visual Computing hat langjährige Erfahrung in der Schaffung von virtuellen 3D-Welten. So sollen zum Beispiel Erfahrungen aus dem Projekt «Blue-C» in die Entwicklung der «Telepresence Platform» mit einfliessen. «Unser Institut wird ein wichtiger Impulsgeber für das internationale Projekt», sagt Silke Konsorski, Projektkoordinatorin von «BeingThere Center» an der ETH. «Unsere Erfahrung mit Algorithmen zur Berechnung von 3D-Animationen sowie unser Know-how bezüglich 3D-Display-Technologien wird dem Projekt sicher zugutekommen.»
 
Ziel aller drei Institutionen ist es, in der vierjährigen Laufzeit erste Prototypen von «Telepresence»- und «Tele-collaboration»-Systemen zu entwickeln, die später marktreif werden. Das Geistige Eigentum an der gemeinsamen Entwicklung von Forschungsresultaten wird geteilt. Insgesamt sollen mehr als 30 Forschende zum Projekt «BeingThere Center» beitragen; davon alleine 25 Doktoranden an der NTU-Universität in Singapur. Die geschätzten Gesamtkosten für das Forschungsprojekt belaufen sich auf umgerechnet 17 Millionen Franken.
 
Der jährliche Beitrag der ETH in Form von Forschungsleistungen und Infrastruktur ist rund 800.000 Franken. Das Institut für Visual Computing wird zusätzlich zu den bestehenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die am Projekt mitarbeiten, zwei Postdocs anstellen, von welchen jeweils einer für ein halbes Jahr in Singapur an der Nanyang Technological University forschen wird.

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