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Personaler meiden Videointerviews im Bewerbungsprozess

Am 6.11.2018 hat Bitkom Umfrageergebnisse veröffentlicht, die belegen, dass Videointerviews unter Personalmanagern in Deutschland kaum verbreitet sind. Insgesamt führt nur jeder fünfte Personaler Bewerbungsgespräche per Videoanruf durch.

Thomas Nicolaus, Vice President Central Europe bei Lifesize, findet das Ergebnis dieser Umfrage sehr erstaunlich und versucht nachstehend einige Antworten zu liefern, warum das seiner Meinung nach so ist und was Unternehmen tun sollten, um die Situation zu ändern.

Warum nutzen Personalverantwortliche die Möglichkeit für Videotelefonate in Bewerbungsprozessen bisher so gut wie gar nicht?

Thomas Nicolaus: „Deutsche Unternehmen sind diesbezüglich noch viel zu konservativ. Die Gründe dafür sind vielschichtig und hängen auch mit der Art des Unternehmens und der Unternehmensgröße zusammen. Ich denke, einer der Hauptgründe ist, dass viele Personaler und Verantwortliche eine gewisse Angst vor der Technik an sich und möglichen Technikproblemen haben.

Was, wenn die Internetverbindung nicht gut genug ist und das Bild oder das Mikrophon aussetzt, der Lautsprecher oder die Kamera nicht funktionieren? Heutzutage ist die Technik allerdings so weit, dass derartige Probleme nicht mehr auftauchen. Und gerade in größeren Unternehmen haben Mitarbeiter mittlerweile Übung im Abhalten von Videokonferenzen und können sich bei Problemen schnell behelfen.

In kleineren Unternehmen kommen Personalmitarbeiter hingegen wesentlich seltener mit Videokonferenztechnik in Berührung, weil sie es für andere Aufgaben schlicht nicht brauchen. Wenn die Übung und das Knowhow fehlen, finden so wichtige Themen wie die Mitarbeiterauswahl natürlich auch nicht auf dem digitalen Weg statt.

Und zu guter Letzt kommt wahrscheinlich noch hinzu, dass es für viele Personalverantwortliche immer noch wichtig ist, einen möglichen neuen Mitarbeiter in „Echt“ kennenzulernen, also auch live zu erleben. Und das geht ihrer Meinung nach nicht gut genug per Videotelefonat.“

Was sollten Geschäftsführer tun, um die Nutzung von solchen Lösungen zu fördern?

Thomas Nicolaus: „Sie sollten die Hürde zur Nutzung einer Videokonferenzlösung für ihre Mitarbeiter möglichst klein halten. Das fängt meistens schon mit der Bereitstellung des passenden Equipments an. Ein kleiner Meetingraum, indem die Videokonferenzlösung fest installiert und auf Knopfdruck bereit ist, bedeutet für den Personaler minimalen Aufwand. Er muss sich nicht mit der Installation und Funktion von Kamera und Mikrofon und so weiter beschäftigen.

Dann ist es natürlich genauso wichtig, dass Mitarbeiter ein Gefühl für diese Technik entwickeln, sodass es für sie ganz normal wird, diese zu verwenden. Entsprechende Schulungen können helfen, Wissen und das Bewusstsein für digitale Lösungen zu fördern und sie in die Unternehmenskultur einzubinden. Am Ende werden Unternehmen von diesen Maßnahmen profitieren, denn der Bewerberpool wird sich dadurch vergrößern.

Wenn Bewerber nämlich nicht mehr für jedes Bewerbungsgespräch extra anreisen müssen, werden sie sich auch breiter bewerben. Personaler können so Interessenten aus anderen Regionen oder dem Ausland besser ansprechen und haben dadurch mehr Auswahl. In Zeiten des Fachkräftemangels steigert das die Wahrscheinlichkeit passende Talents zu finden.

Ich habe das selbst erlebt, als ich vor kurzem eine neue Mitarbeiterin rekrutiert habe. Da sie Flugangst hat, kam es für sie nicht in Frage für Bewerbungsgespräche zu Kollegen ins Ausland zu fliegen. Es war für uns aber kein Problem, alle Vorstellungsgespräche per Videokonferenz abzuhalten.

Wir sind sehr froh, dass wir sie auf diesem Weg für uns gewinnen konnten. Für Unternehmen ist das immer auch eine große Chance sich besonders jüngeren Bewerbern als modernes und innovatives Unternehmen zu präsentieren, bei dem die Digitalisierung voll angekommen ist.

Denn schließlich haben auch gerade Millennials und Digital Natives den Anspruch, in ihrem späteren Job einmal selbst solche Lösungen zu nutzen. Da ist es immer gut, bereits im Erstkontakt zu zeigen, dass man als Unternehmen solche Lösungen selbstverständlich nutzt.“

Was muss der Bewerber bei einem Videogespräch mit einem Personaler beachten?

Thomas Nicolaus: „Heutzutage braucht der Bewerber nicht mehr als ein Laptop, ein Tablet oder ein Smartphone. Denn diese verfügen in der Regel bereits über integrierte Kamera, Mikrophon und Lautsprecher. Das ist natürlich die Grundvoraussetzung für ein Videotelefonat. Am besten prüft er vor dem Gespräch einmal die Technik und schaut, ob die Kamera funktioniert und Lautsprecher und Mikrophon angeschaltet sind.

Außerdem sollte getestet werden, ob die Kamera auch gut ausgerichtet und die Räumlichkeiten hell genug sind, damit er gut zu sehen ist. Das Gespräch sollte bestenfalls in einer ruhigen Umgebung stattfinden, damit sich die Gesprächspartner gut verstehen können und keine Zwischengeräusche stören. Auch auf die Auswahl des Hintergrunds sollte geachtet werden, denn ein ungemachtes Bett im Hintergrund wird sicherlich nicht gut beim zukünftigen Chef ankommen.

Und zu guter Letzt gelten natürlich für das Vorstellungsgespräch per Video die gleichen Grundregeln wie für das Gespräch vor Ort: Pünktlichkeit, eine gute Vorbereitung, passende Kleidung und ein ruhiges Auftreten sind das A und O.“